Ja was ist aus mir geworden.
Ich wollte immer ein Buch schreiben, darueber was ich im Kinderheim Buehr erlebt habe, aber jedesmal wenn ich anfange zu schreiben, dann ist es so, als wenn ich ein Brett vor dem Kopf habe. Es ist genau so, wie - die Erinnerung an Euch. An Eure Gesichter. Sie sind weg, und das macht mich fertig
Ihr muesst mir das glauben, ich erinnere mich an jede beschissene Kleinigkeit die mir im Heim widerfahren ist. An manche Namen wie an Monika und Doris ( wir hatten zwei, an beide kann ich mich erinnern)
Nur ich kann mich an keinen Jungen erinnern, ich kann mich an einige Jungen Namen erinnern, Wenzel Papst, Ottmar Lothmann und an dich Barbara kann ich mich seit ich dich hier getroffen habe auch wieder erinnern.
und ich frage mich, warum ist das so? Nun gut- lassen wir es mal so stehen- lass ich es mal so stehen. Es wird seinen Grund haben.
Wie so alles in meinem Leben.
Ich werde also nun kein Buch schreiben, aber ich werde versuchen Euch zu erzaehlen wie es mir ergangen ist, seit ich mit 14 das heim verlassen habe.Ich werde Euch schonungslos alles erzaehlen. Auch in der Hoffnung das es mir vieleicht ein wenig weiter hilft.
Ich bin nun 52 Jahre und blicke auf ein Leben voller Arbeit, Entäuschungen und Desillusionen zurueck. Nein ich will bei Leibe niemanden die schuld dafuer geben. Schuld wenn man von Schuld sprechen kann, habe ich ganz alleine. Niemand zwingt mich dazu so zu leben wie ich lebe.
Es liegt ganz alleine an mir.
Ich schreibe dies auch alles, in der Hoffnung das ich vieleicht doch wieder die Kraft habe aufzustehen und mich zu wehren. Die Chancen sind nicht schlecht, denke ich mal. Aber da ist auch diese Angst. Alleine zu sein- aber war ich nicht mein ganzes Leben alleine?
Gut fange ich also von dem Tag an wo ich entlassen wurde.
(Es muss Euch klar sein, das dies ueber mehrere Wochen dauern kann, da ich mein Leben nicht an einem Abend erzaehlen kann.
Vieleicht erinnert sich ja einer von Euch daran, wie 1974 irgendwelche Psychologen ins Heim kamen und Test mit uns machten.
Jahre spaeter habe ich erfahren was es damit auf sich hatte. Vieleicht weiss ja einer von euch auch bescheid.
Es wurden Test mit uns gemacht und einige Zeit spaeter, wurde mir mitgeteilt das ich, wenn ich mit 14 die Schule verlasse neue Pflegeeltern bekommen wuerde. War natuerlich damals eine grosse Sache. Pflegeltern- hoerte sich wirklich gut an.
Ich hatte also meine Abschlussfeier in der Schule, und weiss noch- das ich an diesem Abend mein erstes sexuelles Erlebnis mit einem Jungen hatte. Sorry ich kann mich weder an den Namen erinnern, noch an den Jungen. Komischerweise kann ich mich aber an die Situation erinnern und daran, das ich danach, irgendwie aufmuepfiger war im Heim. Lag vieleicht auch daran das ich wusste, meine Zeit war gekommen. Ich verlasse das Heim.
Ich kannte meine neuen Pflegeeltern nicht, habe sie nie vorher kennengelernt. Sie holten mich eines Tages ab und die Verabschiedung durch Frau Buehr hallt noch heute in mir nach.
Nicht ein wort zu mir- dafuer aber an meine neuen Pflegeeltern gerichtet. Na mit dem Fruechtchen werden sie noch ihre helle Freude haben. Das ist eine Nutte und wird immer eine Nutte bleiben. Ich weiss noch genau wie entsetzlich verletzt ich darueber war.