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 Wie alles begann (und wie es endete)

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andres

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BeitragThema: Wie alles begann (und wie es endete)   Mi Jan 28, 2015 5:27 pm

Ins Kinderheim bin ich 1970 gekommen, mit 7 Jahren, in den Sommerferien nachdem ich die erste Klasse beendet hatte. Meine Mutter hat mir später einmal erzählt, das Jugendamt hätte sie vor die Alternative gestellt entweder Sonderschule oder Erziehungsheim.
Was soll ich dazu sagen. Ich habe vor kurzem einmal meine Grundschulzeugnisse angeschaut:
1. Klasse, 2. Halbjahr: Betragen – gut, Mitarbeit – gut, Deutsch – ausreichend, Rechnen – befriedigend, Bemerkung – versetzt nach Klasse 2. So steht es im Zeugnis. Sonderschule? Tatsächlich gab es in unserer Stadt eine Sonderschule für lern- oder geistig behinderte Kinder. Aber es steht im Zeugnis „Versetzt nach Klasse 2“. Ich war mit Sicherheit kein braver Bub und sicherlich kein guter Schüler, aber lernbehindert? Die wahren Gründe für die Einweisung ins Heim kann ich nicht mehr nachfragen, somit bleibt nur noch ein Gefühl irgendwie angelogen worden zu sein. Über die Motive für diese Lüge kann ich indes nur Vermutungen anstellen.
Das Blättern in den weiteren Grundschulzeugnissen bringt erstaunliches zu tage. Nicht das sich meine Noten in Neustadt rapide verschlechtert haben, das erstaunt nicht – nein, erstaunt haben mich folgende Einträge in den kommenden Jahren: Verhalten – gut, Mitarbeit – noch befriedigend oder unbefriedigend. Das soll ich gewesen sein? Ich war immer ein Zappelfillip, unruhig, habe vielleicht meine Mitschüler gestört, aber ich konnte doch bestimmt nicht mein Maul halten (vor allem nicht wenn ich etwas wusste), das kann ich heute noch nicht. Verhalten – unbefriedigend, Mitarbeit – gut, das hätte ich verstanden. Aber umgekehrt? Das bin ich nicht oder haben wir was gekriegt zum ruhigstellen? Weiter lese ich dann ich hätte die 3. Klasse freiwillig wiederholt. Als ob mich jemand gefragt hätte. Freiwillig war ich keinen einzigen Tag in der Schule! In keiner! (Ok, das ist dann doch etwas gelogen, in die Berufsschule bin ich freiwillig gegangen, weil ich an den Tagen dann nicht so früh aufstehen und arbeiten gehen musste). Wenn ich in ein Heim gekommen bin, weil ich lernbehindert gewesen sein soll, dann hat das offensichtlich nicht besonders gut funktioniert. Hatten die im Kinderheim Bühr überhaupt ein pädagogisches Konzept? (Später scheint das mit der Pädagogik dann doch noch irgendwie funktioniert zu haben, nach dem Abi auf dem 2. Bildungsweg und ein paar Jahren an einer Uni konnte ich diese immerhin als Dipl.-Ing. verlassen; auf meine Kosten übrigens, nicht Hotel Mama).
Es ist erstaunlich an was ich mich dann doch noch alles erinnern kann.
Ich erinnere mich an das erste oder zweite Wochenende im Heim. Da ist meine Mutter zu Besuch gekommen. Wahrscheinlich sind wir irgendwo für Kaffee und Kuchen einkehren gegangen (sie Kaffee – ich Kuchen ☺). Ich erinnere mich tatsächlich noch daran, dass ich alle 2 oder 3 Minuten gefragt habe wann der Zug zurück endlich fährt. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass der Zug zwar irgendwann bald fährt, aber ohne mich! Das saß tief! An weitere Besuche erinnere ich mich nicht auch nicht an Fahrten meinerseits nach Hause. Ein Auto besaßen wir nicht, eine Zugfahrt hin und zurück war reichlich kompliziert (und wahrscheinlich zu teuer) und ich kann mir nicht vorstellen, dass man mich als 7,8,9,10 jähriges Kind allein irgendwo hin hat fahren lassen. Es gibt noch ein paar weitere Eindrücke aus den Anfangstagen, davon vielleicht später. Was mich wundert ist, dass ich mich nach wie vor an keine Namen und Gesichter erinnern kann.
Alles was einen Anfang hat hat auch ein Ende. Das Ende kenne ich nur vom Hören-sagen. Im Jahr 1973 fand in Baden-Württemberg eine Kreisreform statt. Meine Heimatstadt wurde einem anderen Landkreis zugeordnet. In diesem Zuge hat auch das zuständige Jugendamt gewechselt. Mir wurde erzählt, dass die neue Sozialarbeiterin die für mich zuständig war einen unangemeldeten Besuch in Neustadt gemacht hat; drei Wochen später war ich draußen. Diese Geschichte will ich sogar glauben. In den fernöstlichen Religionen steckt in jedem Ende auch ein neuer Anfang. Des Staates Mühlen mahlen zwar sehr langsam, aber manchmal mahlen sie und dann eher gründlich. Wenn mein Ende in Neustadt der Anfang vom Ende des Kinderheim Bühr war, dann war das vielleicht so.
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